Museum Schloss Wiepersdorf

Öffnungszeiten Geöffnet ab 4. September 2022 während der Sommermonate sonntags 13–17.00 Uhr
Eintritt Eintritt frei
Führungen Führungen auf Anfrage unter info@schloss-wiepersdorf.de oder 033746 – 69 90
Zugang Der Zugang zum Museum Schloss Wiepersdorf ist weitestgehend barrierefrei.

© Dirk Bleicker

Das Museum in Schloss Wiepersdorf beleuchtet in fünf Räumen die Entwicklung von Schloss Wiepersdorf als Herrenhaus der von Arnims bis zur heutigen Nutzung als Residenz für KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen. Im Fokus stehen die Geisteshaltung der Romantik sowie die Zeit zwischen 1945 bis 1989, als das Schloss vorrangig SchriftstellerInnen beherbergte.

© Dirk Bleicker

Schloss Wiepersdorf ist ein Ort, der vielfältige Transformationen erlebt hat. Es ist ein Ort der Ambivalenzen, des Eigensinns und der Erfindung. Niemand ist mehr, der er ist. Nichts ist mehr, was es war. Immer wieder in seiner Geschichte muss dieser Ort mehr und anderes sein, als er ist. Was nicht vorhanden ist, muss imaginiert werden. Das Charakteristische an der Ansammlung von Objekten in Wiepersdorf ist die Fülle ihrer Fehlstellen. Damit wird Schloss Wiepersdorf zu einem Ort, der erst durch vielfältige Imaginationen zu dem wird, was er doch niemals ist:

Wenn etwa Bettina und Achim von Arnim versuchen, die Umbruchszeit nach 1806 zu meistern, im größten denkbaren Spannungsfeld zwischen eigenem Wollen, den Anforderungen standesgemäßer Lebensführung, finanzieller Not und Entrepreneurship. Wenn im 19. Jahrhundert ihr Enkel Achim von Arnim-Bärwalde das Herrschaftshaus – zu Zeiten Bettinas und Achims ein kaum aufrecht zu erhaltender Ort ständischer Repräsentation – durch die Freitreppe und die französische Gartenanlage zu einem Schloss mit barocker Erscheinung überformt. Wenn während des Zweiten Weltkriegs im Herrschaftshaus der jüdische Kommunist Iwan Katz versteckt wird, mit dessen Hilfe das Schloss, wenn auch mit Verlusten über die Nachkriegszeit gerettet werden kann. Wenn die DDR im barocken Interieur ein Künstlerhaus betreibt und der kulturpolitische Anspruch dabei zwischen internationaler Ausstrahlung und Abgeschlossenheit oszilliert. Oder wenn die nächste Transformation nach dem Jahr 1990 das Künstlerhaus und sein Personal erneut vor existenzielle Herausforderungen stellt.

In diesem Sinne ist Schloss Wiepersdorf ein Ort stetiger Überschreibungen, indem die Schlossnutzerinnen und Schlossnutzer der jeweiligen Zeit die Vorstellungen, die sie von sich selbst in der Gegenwart haben mit ihren Phantasien von der Wiepersdorfer Vergangenheit in Beziehung setzen.