Chronik

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© Anne Frechen / Deutsche Stiftung Denkmalschutz

1734–36
Der Königlich Preußische Major Gottfried Emmanuel von Einsiedel (1690–1745) erwirbt das Ländchen Bärwalde (Orts- und Landschaftsbezeichnung), zu dem auch Wiepersdorf gehört und baut das Herrenhaus aus. Es entstehen seitlich zwei schräg stehende Seitenhäuser.

1780
Sophie Dorothea von Einsiedel verkauft das Ländchen mit Bärwalde, Wiepersdorf und weitere fünf Rittergütern für 98.000 Taler an den Königlich Preußischen Kammerherrn und Diplomaten Joachim Erdmann von Arnim (1741–1804). Durch zwei eingeschossige Turmgebäude wird das Haupthaus mit den beiden seitlich etwas schräg stehenden Häusern verbunden.

1781
26. Januar: Geburt von Ludwig Achim von Arnim, dem späteren Dichter. Die Mutter, Amalie Caroline (1761–1781), stirbt kurz nach dessen Geburt. Der Vater, Joachim Erdmann von Arnim, preußischer Gesandter in Kopenhagen bis 1774, Theaterdirektor unter Friedrich II. bis 1778, zieht sich auf sein uckermärkisches Gut Friedenfelde (etwa 20 km südlich von Prenzlau) zurück. Er kümmert sich kaum um Ludwig Achim und dessen älteren Bruder Carl Otto von Arnim. Die Großmutter Caroline von Labes kauft dem Schwiegersohn das Sorgerecht für ihre Enkel für 1.000 Taler ab.

1785
4. April: Geburt von Catharina Elisabetha Ludovika Magdalena Brentano (Bettina oder Bettine genannt) in Frankfurt am Main. Bettina ist die Schwester des Dichters Clemens Brentano (1778–1842), mit dem Ludwig Achim von Arnim 1801 Freundschaft schließt.

1804
Tod von Joachim Erdmann von Arnim. Die Brüder von Arnim erben das Ländchen Bärwalde. Im Herbst besichtigt es Achim mit Brentano.

1811
11. März: Ein Jahr nach dem Tod der Großmutter Achim von Arnims heiraten Ludwig Achim von Arnim und Bettina Brentano in Berlin.

1812/13
Geburt der Söhne Freimund und Siegmund.

1814
Finanzielle Gründe und die politische Lage veranlassen Arnim und Bettina zum Umzug von Berlin nach Wiepersdorf. Trotz der großen Belastung bei der Bewirtschaftung und Modernisierung der Güter, der sich Arnim mit großem Einsatz widmet, publiziert er Erzählungen, Dramen und Gedichte, den Roman ‚Die Kronenwächter‘ und zahlreiche journalistische Arbeiten.

1815
Geburt von Friedmund.

1815/16
Arnim lässt baufällige Wirtschaftsgebäude, die das Gutshaus auf der heutigen Straßenseite einschlossen, abreißen und legt einen neuen Wirtschaftstrakt südlich des Gutshauses an, darunter das heutige Stipendiatenhaus.

1816
Schwere Erkrankung Arnims. Besuch von Wilhelm Grimm und dem Juristen Friedrich Carl von Savigny, dem Ehemann von Bettinas Schwester Kunigunde (Gunda).

1817
Geburt des Sohnes Kühnemund. Bettina entschließt sich, in der angemieteten Stadtwohnung in Berlin zu leben, um ihren Söhnen eine angemessene Schulbildung zu ermöglichen. Häufiger Umzug im Stadtgebiet und Versorgung mit Naturalien aus Wiepersdorf, wohin sie sich immer wieder zur Regeneration zurückzieht.

1818/21/27
Geburt der Töchter Maximiliane (‚Maxe‘), Armgart und Gisela.

1826
Arnims letzte selbständige Veröffentlichung ‚Landhausleben‘ erscheint.

1831
Am 21. Januar stirbt Achim von Arnim in Wiepersdorf (Grab an der Wiepersdorfer Kirche). Nach dem Tod ihres Mannes beginnt Bettina mit ihrer schriftstellerischen Tätigkeit: Sie überarbeitet eigene Briefwechsel der Jugendzeit, zunächst ‚Goethes Briefwechsel mit einem Kinde‘.

1837–40
Bettina setzt sich in Berlin energisch für die Wiedereinstellung der Brüder Grimm ein und hat damit 1840 beim neuen preußischen König Friedrich Wilhelm IV. Erfolg. Ihre Entwicklung zur politischen Schriftstellerin beginnt. Im Winter 1839/40 vollendet sie ihren Briefroman ‚Die Günderode‘ auf Schloss Bärwalde, wo sie mit ihren Töchtern lebt.

1843/44
‚Dies Buch gehört dem König‘ erscheint; das geplante ‚Armenbuch‘ kann nicht veröffentlicht werden, weil Bettina Mitwirkung am Weberaufstand in Schlesien unterstellt wird.

1848
Bettina nimmt lebhaft Anteil an den revolutionären Ereignissen von 1848 in Berlin, die sie begrüßt. Sie hält trotz der Kontakte zu den Jungdeutschen und Frühsozialisten an ihrem romantisch geprägten Ideal eines ‚Volkskönigs‘ fest.

1859
Am 20. Januar stirbt Bettina in Berlin (Grab neben der Wiepersdorfer Kirche).

1870
Der Enkel des Dichterpaares, Achim von Arnim-Bärwalde (1848–1891) wird Gutsherr auf Wiepersdorf.

1874–80
Achim von Arnim-Bärwalde überformt Gebäude und Park. Der schlossartige Charakter des Hauses entsteht durch den Ausbau der Terrasse, des Parks sowie das Errichten der Orangerie. Der nördliche Flügel des Schlosses, das Atelier, wird angebaut, die Feldsteinkirche wird neoromanisch gestaltet.

1945
Wiepersdorf wird russische Kommandantur und entgeht den Sprengkommandos, die andere Gutshäuser Brandenburgs vernichten.

1945/46
Es gelingt der Malerin Bettina Encke von Arnim, einer Schwester des letzten Eigentümers, das Schloss mit Hilfe des mit den Familien von Arnim und Encke befreundeten jüdischen ehemaligen kommunistischen Reichstagsabgeordneten Dr. Iwan Katz in eine Dichterstiftung zu überführen.1946 Tod des letzten Eigentümers der Güter Wiepersdorf, Bärwalde und Zernikow, Friedmund von Arnim, in sowjetischer Gefangenschaft.

1946
Rechtsträger des Hauses wird die am 16.7.1946 gegründete Deutsche Dichterstiftung e. V. Wiepersdorf wird ein Schriftstellerheim.

1947
Enteignung und Vertreibung der Familie von Arnim. Die ersten Schriftsteller, unter ihnen Anna Seghers, kommen nach Wiepersdorf.

1948
Schloss Wiepersdorf wird im Grundbuch als Eigentum des Volkes eingetragen und Haus sowie Bibliothek werden unter Denkmalschutz gestellt.

1950
Auflösung der Deutschen Dichterstiftung e.V. Das Haus wird in ‚Schloss Wiepersdorf – Arbeitsstätte für Geistesschaffende‘ umbenannt.

1953
Der Schriftstellerverband der DDR wird Rechtsträger. Die noch erhaltenen Teile des dichterischen Nachlasses von Achim und Bettina von Arnim kommen nach Weimar.

1965
Aus Anlass des 180. Geburtstages von Bettina von Arnim erhält das Haus den Namen ‚Bettina von Arnim Heim‘.

1974
Neuer Rechtsträger wird das Ministerium für Kultur der DDR.
Umfassende Sanierungsarbeiten im Haus und Park unter der Leitung des Institutes für Denkmalpflege.

1975
Sarah Kirsch veröffentlicht einen Zyklus von elf Wiepersdorf-Gedichten, der auf ihren zweiwöchigen Aufenthalt im Jahre 1973 zurückgeht.

1979
Der Kulturfonds der DDR wird Träger des Hauses.

1980
Neueröffnung des Schlosses als ‚Arbeits- und Erholungsstätte für Schriftsteller und Künstler-Bettina von Arnim‘.

1989–92
Bedingt durch die Wende zunächst unklare Übergangssituation. Das Haus wird größtenteils als Hotel für Geschäftsleute genutzt.

1991
Clara von Arnim, die Frau des letzten Eigentümers vor 1947, Friedmund von Arnim, gründet den Freundeskreis Schloss Wiepersdorf e.V. und initiiert in Zusammenarbeit mit dem Goethe Haus Frankfurt die Einrichtung des Museums, um das Haus der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und die Erinnerung an das Dichterpaar zu bewahren. 1999 verzichtet sie auf ihre Rückübertragungsansprüche. Bundespräsident Johannes Rau würdigt sie durch Überreichung der Maecenas-Ehrung.

1992
Wiedereröffnung als ‚Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf der Stiftung Kulturfonds‘, die aus dem Kulturfonds der DDR hervorgegangen ist. Künstlerinnen und Künstler aus allen Kunstbereichen und aus verschiedenen Ländern leben und arbeiten im Haus. 2004 Liquidation der Stiftung Kulturfonds und Schließung des Künstlerhauses.

2005
Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz übernimmt das Schloss in ihr Eigentum und gestaltet und finanziert die denkmalpflegerische Erhaltung des Objektes und des Parks. Gemeinsam mit dem Land Brandenburg führt die private Stiftung außerdem den Stipendiatenbetrieb fort.

2006
1. Juli Wiedereröffnung des Denkmals sowie des Künstlerhauses in Trägerschaft der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

2019
1. Juli Gründung der öffentlich-rechtlichen Landesstiftung ‚Kulturstiftung Schloss Wiepersdorf‘.

2020
Geplante Wiedereröffnung als Organisation zur Pflege von Kunst, Kultur und Wissenschaft durch ein interdisziplinäres und internationales Residenzprogramm.

Chronik: Olivia Franke und Janika Gelinek